Visit Saimaa: »The Retretti Art Centre exhibitions«

 
Die Hauptausstellung im Kunstzentrum Retretti im Sommer 2010 Helene Schjerfbeck und die Künstlerinnenschwestern zeigt ein breites Spektrum von Werken finnischer Künstlerinnen im frühen 19. Jahrhundert bis zum Jahr-hundertwechsel. Neben Schjerfbeck zeigt die Ausstellung unter anderem Werke von Fanny Churberg und Maria Wiik aber auch von weniger bekannten Künstlernamen wie Mathilda Rotkirch und Hanna Rönnberg. Kuratorin der Ausstellung ist Professorin Riitta Konttinen.

Visit Saimaa: »The Retretti Art Centre exhibitions«
Helene Schjerfbeck, Toipilas 1888, Ateneumin taidemuseo, Helsinki, Foto: KKA

Die Bekannteste der finnischen Künstlerinnen ist Helene Schjerfbeck (1862-1946), die schon in sehr jungen Jahren mit ihren Werken Aufsehen erregte, die aber in ihrer Zeit auch scharf kritisiert wurde. Schon ihr erstes großes Portrait, das im Jahr 1881 in der Bretagne gemalte Bild Junge, der seine kleine Schwester füttert, wurde wegen der freien Art zu malen und wegen seines unbekümmerten Realismus umstritten aufgenommen. Ihre Karriere als eine viel versprechende historische Malerin scheiterte wiederum daran, dass ihre Themen für eine Frau nicht angemessen schienen. Schjerfbeck wuchs jedoch schnell zu einer originellen und bedeutenden Künstlerin, nach wie vor wecken die verschiedenen Seiten ihres umfangreichen Werkes Interesse sowohl beim Kunstpublikum als auch in der Forschung.

Über Werdegang und das Werk von Helene Schjerfbeck ist viel geschrieben worden und wird weiterhin geschrieben, aber sie war keineswegs als Frau allein dabei, sich den Weg in die von Männern beherrschte Kunstwelt des 19. Jahrhunderts frei zu machen. Sie hatte sowohl zahlreiche Vorgängerinnen als auch Altersgenossinnen, von denen einige heute sehr gut bekannt sind wie Fanny Churberg, Maria Wiik, Venny Soldan-Brofeldt, Ellen Thesleff oder Elin Danielson-Cambogi. Aber noch zahlreicher sind diejenigen, deren Werke nur dann und wann in Ausstellungen gezeigt wurden, viele von ihnen wurden kaum ausgestellt. Trotzdem sind auch ihre Künstlerinnengeschichten bewegend und ihre Werke ansprechend und interessant im Hinblick auf die Entwicklung der Kunst in Finnland.


Die Gemälde und Zeichnungen in der Sommerausstellung in Retretti erzählen eine Geschichte über den Zugang der Frauen in die Arena der Kunst in Finnland. Die Zeitspanne reicht von der erwachenden Romantik im frühen 19. Jahrhundert über Realismus und Naturalismus bis hin zum Symbolismus Ende 1800 und schliesst mit den ersten Takten des frühen Modernismus zur Zeit der Jahrhundertwende. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Frauen als Kunstschaffende für eine Ausnahme gehalten. Gesellschaftliche Veränderungen und die Frauenbewegung, die allmäh-lich den Frauen auch andere Aussichten als die Rolle der Ehefrau und Mutter eröffneten, führten dazu, dass auch die Zahl der Kunststudentinnen enorm zu wachsen begann. Gerade, als die Generation von Helene Schjerfbeck ihr Kunst-studium in den 1870ern aufnahm, fand ein großer Umbruch statt: Frauen wurden unabhängig und erhielten immer mehr Raum auch im Kunstleben. Bildhauerei blieb jedoch lange Zeit nur wenigen Frauen zugänglich, in Folge dessen wurde die Kunst der Frauen stark von der Malerei beherrscht.

Zusätzlich zu den anfangs genannten Künstlerinnen stellt Retretti im Sommer 2010 u.a. folgende Künstlerinnen vor: Victorine Nordenswan, Alexandra Frosterus-Saltin. Victoria Åberg, Julia Stigzelius-de-Cock, Amélie Lundahl, Ada Thilén, Helena Westermarck, Dora Wahlroos, Anna Sahlstén, Beda Stjernschantz, Hilda Flodin und Ester Helenius. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Ausstellung wird auch Riitta Konttinens Buch über finnische Künstlerinnen im 19. Jahrhundert Frauen an den Grenzen der Kunst (Tammi) veröffentlicht. Das Retretti Art Centre ist vom 3. Juni bis 29. August 2010 geöffnet. Weitere Informationen: www.retretti.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.