Jesper Juul: »Ich kämpfe täglich mit deutschen Müttern«

 
Das Institut50plus hat es sich zur aufgabe gemacht, den Dialog der Generationen zu befördern. Es ist daher nur allzu verständlich, das neueste Buch von Jesper Juul, erschienen im Münchner Kösel Verlag, vorzustellen. »Eltern, die viel zu höflich sind. Kinder, die süchtig nach Lob werden. Und Familien, die das Glück erzwingen wollen«. Jesper Juul kennt sie alle. Jesper Juuls Beziehungsbuch zur Pubertät setzt sich mit unerreichbaren Jugendlichen auseinander.

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In der Pubertät braucht es neue Wege für ein Miteinander, denn Erziehung wie in Kindertagen nützt nichts mehr: Jesper Juuls brandaktueller Bestseller basiert auf einem Intensivseminar, in dem Eltern und Jugendliche gemeinsam mit dem Familientherapeuten Lösungen für ihre Probleme erprobten. Orientierung, die weiterhilft. Das besondere Thema: »So klappt Kommunikation mit Jugendlichen, die dichtgemacht haben und«. Zahlreiche Beispiele zu brennenden Elternfragen versuchen Hilfestellung zu geben.

So fragte das ZEITmagazin Jesper Juul unter anderem : »Janusz Korczak, der berühmte Pädagoge, postulierte das Recht des Kindes auf den heutigen Tag. Das Verharren in der Gegenwart war mal das Privileg der Kindheit – gilt das heute nicht mehr, weil wir immerzu daran denken, was aus dem Kind mal werden soll?«

Jesper Juul: »Die heutigen Kinder haben unglaublich viel Stress – daher rühren viele Probleme, die sie gerade haben. Hier und jetzt sein zu dürfen, das vermissen Kinder. Wenn ich heute Abend nach diesem Interview heimkomme, wird mein Enkel unter Garantie sagen: Ich will mit dir aufs Trampolin. Und wenn ich sage, nein, das ist jetzt zu spät, dann ist das brutal. Das Kind sagt ja nur: Ich habe dich vermisst, ich möchte mit dir spielen – und spielen ist immer sofort. Die Leichtigkeit, darauf einzugehen, fehlt oft im Alltag. Kinder können von ihren Eltern nicht mehr lernen, wie man sich entspannt.«

Eine weitere Frage des ZEITmagazins: Und trotzdem können Kinder heute stärker über sich selbst bestimmen als früher? Jesper Juul: »Die Kinder sind geistig freier – das ist ein Gewinn, aber es führt auch zu Konflikten. Es gibt da interessante Parallelen zur Reaktion auf die Emanzipation der Frauen. Im Grunde sind die Frauen ja ähnlich befreit worden wie die Kinder. Als sie sagten, jetzt wollen wir ran, hieß es, jetzt ist die Familie tot. Und nachdem damals die Männer Macht abgeben mussten, müssen das heute die Erwachsenen tun. Das ist für sie schwer zu ertragen. Sie müssen sich stärker mit den Kindern auseinandersetzen«.

Jesper Juul, geb. 1948 in Dänemark, einer der bedeutendsten und innovativsten Familientherapeuten Europas, ist Gründer von familylab – die Familienwerkstatt. Seit über 35 Jahren arbeitet er mit Familien. Seine respektvolle, gleichwürdige Art, mit Menschen umzugehen, beeindruckt Fachleute und Eltern immer wieder neu. Mit seinem Bestseller »Nein aus Liebe« hat er sich endgültig in die vorderste Riege der Erziehungs- und Beziehungsautoren geschrieben. www.koesel.de

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