Berlin Verlag: »Schnurres Gedächtnis ist ein Zeugnis der geistigen Beweglichkeit«

 
Zunächst glauben wir, ein Tagebuch zu lesen, eines von der Qualität der Tagebücher Max Frischs. Am Beginn steht ein Datum (August 1976), am Schluss ebenso (10. Januar 1977), und das Autobiographi-sche fehlt nicht: die Kindheit mit dem Vater, der Krieg, Krankheit, Schmerz und Tod, aber auch das Glück. Über die Familie, das Lesen, das Wissen und das Schreiben. Doch dieses Buch ist noch mehr.

Schnurre gelingt es, in kleinen Notizen aus dem Alltag und genialischen Aphorismen, durch Zitate und Romanentwürfe, durch fiktive Briefe und Gedichte ein ganzes Menschengedächtnis abzubilden. Und Schnurres Gedächtnis ist ein Zeugnis der geistigen Beweglichkeit, ein Konvolut der gedanklichen Fülle. Er steht im Zentrum seines persönlichsten Buches, er als Mann, Vater, Partner, Sohn und Schriftsteller, und erzeugt so eine Nähe, wie sie selten in der Literatur zu finden ist, und bleibt doch vollkommen diskret. „Danke schön, Schattenfotograf.“ (Peter Härtling).

Machen Sie eine Entdeckung: Wolfdietrich Schnurre präsentiert sich in diesem Schatz aus seinem Nachlass als origineller und witziger Zeichner. Herrlich anarchische Bilder, reduzierte wahrhaftige Verse, und Fragen, die zum Nachdenken anregen: Nie wurde ein Leben poetischer und amüsanter resümiert.

Wolfdietrich Schnurre war Kurzgeschichtenschreiber, Lyriker, Hör- und Fernsehspielautor, Buch-Rezensent, Theater- und Filmkritiker, Kinderbuchautor, Romancier und Illustrator und hat in 40 literarischen Lebensjahren rund 150 Werke veröffentlicht. Umso erstaunlicher ist dieser Fund, der nicht nur eine weitere Veröffentlichung bedeutet, sondern uns auch den famosen Zeichner Schnurre vorstellt.

In einer Bildergeschichte für Erwachsene erzählt er von den großen Stationen des Lebens, der Hochzeit der Eltern, der Geburt, der Trotzphase in jungen Jahren und der Beamtenlaufbahn. Doch der Leser ist zu mehr als seinem eigenen Amüsement angehalten und wird zwischen den Bildern direkt gefragt: „Wieso kann man von der Liebe dick werden? Fragt Eure Eltern!“ „Warum ist es furchtbar auf der Welt? Ist es wirklich furchtbar?“ „Ist es denn so schlimm, ein Hippi zu sein? Frage deine Eltern! Frag einen Hippi! Vergleiche.“ Weitere Informationen: www.berlinverlage.de und www.institut50plus.de

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