Staatskapelle Dresden und Daniel Harding: »Hommage an Robert Schumann«

 
Im Jahr 2010 feiert die Musikwelt Robert Schumanns 200. Geburtstag. Die Sächsische Staatskapelle würdigt den Romantiker, 1810 in Zwickau geboren, mit einem reinen Schumann-Programm in der Dresdner Frauenkirche. Dabei erklingen unter der Leitung von Daniel Harding u.a. Werke aus Schumanns Dresdner Zeit und eine späte Uraufführung, die die Anfänge des Sinfonikers Schumann beleuchtet.

Harding
Daniel Harding, Foto: Matthias Creutziger

Robert Schumann und Dresden – dieses Kapitel gilt in der Biografie des Komponisten nicht als das glücklichste. Nichts desto trotz komponierte Schumann während seiner sechs Dresdner Jahre immerhin ein Drittel seines Gesamtwerks, darunter die zweite Sinfonie, die Musiken zu «Manfred» und «Faust», das «Album für die Jugend» oder die Oper «Genoveva». Zweimal stand Schumann auch am Pult der damaligen Hofkapelle: 1843 brachte er auf Einladung Richard Wagners sein Oratorium «Das Paradies und die Peri» zur Aufführung, 1849 dirigierte er im Palais im Großen Garten die Uraufführung von Teilen seiner «Faust-Szenen», die im späteren 19. Jahrhundert wesentlich zu Schumanns Ruhm beitrugen. Als Schumann dann infolge von Wagners Flucht ins Schweizer Exil bei der Vergabe der Hofkapellmeisterstelle übergangen wurde, verlies er Dresden und ging im September 1850 als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf.

Werke aus Schumanns Jahren in Dresden und am Rhein stehen nun auch auf dem Konzertprogramm, mit dem die Dresdner Staatskapelle am 20. März den Jubilar unter der Leitung von Daniel Harding würdigt. Neben der Ouvertüre zu seiner romantischen Oper «Genoveva» erklingt das «Requiem für Mignon» op. 98b, das chorsinfonische «Nachtlied» op. 108 (alle in Dresden entstanden) sowie seine dritte Sinfonie («Rheinische»). Als Gesangssolisten wirken an dem Konzert der Bariton Markus Butter und Solisten des Dresdner Kreuzchores mit. Außerdem singt der MDR Rundfunkchor aus der Schumann-Stadt Leipzig.

In Leipzig entstanden auch die beiden nachträglich ins Programm aufgenommenen Orchesterstücke, die trotz ihrer Kürze – sie dauern jeweils nur rund fünf Minuten – für größte Aufmerksamkeit sorgen dürften: Zur Aufführung gelangt zum einen das Scherzo g-Moll aus einer unvollendeten Sinfonie in c-Moll sowie die «Abendmusik» in B-Dur, die möglicherweise aus dem Umfeld der «Frühlings-Sinfonie» stammt. Beide Werke sind als Klavierstücke in die «Bunten Blätter» op. 99 eingegangen und wurden von dem international renommierten Schumann-Forscher Dr. Joachim Draheim in ihrer Orchesterfassung rekonstruiert. Das Scherzo g-Moll erklang bereits 1994 erstmals in Karlsruhe (und wurde für die jetzige Aufführung in Dresden noch einmal revidiert); die Rekonstruktion der «Abendmusik», ein Auftrag der Sächsischen Staatskapelle Dresden, erlebt in der Frauenkirche ihre späte Uraufführung.

«Die Klavierfassung der ‹Abendmusik› ist eigentlich sehr ‹unpianistisch› und hat eher den Charakter eines Klavierauszuges», erläutert Joachim Draheim seine Motivation für die Wiederherstellung der Orchesterfassung. «Dieses kurze Stück verlangt geradezu nach einer Orchestrierung. Beide Sätze, die ‹Abendmusik› und das Scherzo g-Moll, stammen aus dem ‹Sinfoniejahr› 1841, und es dürfte sehr interessant sein, die Anfänge Schumanns als Sinfoniker auf diese Weise nachzuvollziehen.» Angesichts der derzeitigen Quellenlage darf davon ausgegangen werden, dass es sich bei der «Abendmusik» um die vermutlich letzte noch ausstehende Uraufführung eines Orchesterwerkes Schumanns handelt. Weitere Informationen: www.staatskapelle-dresden.de

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