Live am Donnerstag aus der Digital Concert Hall: Simon Rattle dirigiert Mahlers Fünfte Symphonie: »Hoffnungsvolles Sehnen«

Wer an Mahlers Fünfte Symphonie denkt, denkt an das Adagietto – zumindest seit der Satz 1971 als Filmmusik zu Luchino Viscontis Tod in Venedig wesentlich zum morbiden Charme dieser Thomas-Mann-Adaption beitrug. Dabei ergibt sich bei Visconti eine Umdeutung: Hier ist das Adagietto eine Chiffre für das Abschiednehmen vom Leben. Mahler selbst hingegen schrieb diese Musik offenbar unter dem Eindruck seiner frisch erblühten Liebe zu Alma Schindler, seiner späteren Ehefrau. Und tatsächlich wird der unbefangene Hörer im Adagietto vor allem Zartheit, Träumen und hoffnungsvolles Sehnen hören.


Die Philharmoniker, Ölgemälde von Max Oppenheimer
Foto: Christian Brandstätter Verlag . Wien

Mahler wäre indessen nicht Mahler, wenn er eine ganze Symphonie in eine einheitlich romantische Stimmung tauchen würde. So eröffnet er das Werk mit einem Trauermarsch und verbreitet in den folgenden beiden Sätzen teils desaströse, teils tänzerische Vehemenz. Das Finale wiederum kulminiert in einer für Mahler seltenen Hochstimmung, was insofern nicht überrascht, als er diesen Satz im Sommer 1902 auf der Hochzeitsreise mit Alma komponierte.

Wie üblich in diesem Mahler-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle wird der Symphonie eine Komposition von ähnlicher Physiognomie an die Seite gestellt. In diesem Fall ist das die Musik, die Henry Purcell für die Beisetzung der englischen Königin Maria II. im Jahr 1695 schrieb. Zwar dürfen wir ausschließen, dass Mahler Purcells Werk gekannt hat, doch der Trauermarsch seiner Fünften Symphonie zeigt, dass beide Komponisten ein ganz ähnliches Gespür für den musikalischen Ausdruck von Trauer hatten.

Die Digital Concert Hall ist der virtuelle Konzertsaal der Berliner Philharmoniker im Internet. Unter www.digital-concert-hall.com werden hier die Berliner Konzerte des Orchesters live übertragen und nach wenigen Tagen in einem Archiv als Video-Stream angeboten. Die Digital Concert Hall wird exklusiv durch die Deutsche Bank unterstützt, die seit 1989 die Berliner Philharmoniker fördert und das Education-Programm »Zukunft@BPhil« ermöglicht. Live-Übertragung: Donnerstag, 07. April 2011. Das Mahler Album von Gilbert Kaplan erscheint Im Brandstätter Verlag Wien. Weitere Informationen: www.berliner-philharmonie.de und www.cbv.at

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