Joachim Gauck – »Revolutionspfarrer und Behördenleiter«

 
Gauck„Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dass die Staatssicherheit nun mein Thema werden sollte“, schreibt Joachim Gauck in seinen Erinnerungen, die jetzt zu seinem 70. Geburtstag unter dem Titel „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“ erschienen sind. Als Abgeordneter für Bündnis ‘90 in der ersten frei gewählten Volkskammer landete er im Innenausschuss, obwohl er lieber für den Ausschuss Deutsche Einheit oder im Auswärtigen Ausschuss gearbeitet hätte. Er sei damals nicht so berühmt gewesen wie andere Oppositionelle seiner Fraktion.

Kurze Zeit später war Gauck als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheits-dienstes der ehemaligen DDR so bekannt, dass die ihm untergeordnete Behörde mit 2000 Mitarbeitern im allgemeinen Sprachgebrauch als Gauck-Behörde bezeichnet wurde. Dieses Amt bekleidete Gauck bis 2000, zwei Legislaturperioden lang, bevor Marianne Birthler seine Nachfolgerin wurde.

Geboren wurde Gauck 1940 in Rostock und arbeitete später als Pastor im Kreis Güstrow und in Rostock-Elvershagen, wurde Stadtjugendpfarrer und organisierte Kirchentage in Mecklenburg. Während der Wendezeit wurde er als Mitglied des Neuen Forums von der Rostocker Zeitung „Revolutionspfarrer“ genannt. Gauck war als Pastor immer regimefern und den staatlichen Behörden ein Dorn im Auge. Dabei sei damals das Theologie-Studium für ihn nur eine der drei letzten gebliebenen Möglichkeiten gewesen, da er schon zu Schulzeiten zu keinerlei Anpassung bereit gewesen sei. Andernfalls hätte er eine Lehre beginnen oder in den Westen fliehen müssen. Nie habe er zu Beginn seines Studiums daran gedacht, Pfarrer zu werden. Er habe ursprünglich Germanistik und Geschichte studieren wollen, doch die Bewerbung um einen Studienplatz sei von Anfang an ein törichtes Unterfangen gewesen. Gauck fehlte die Empfehlung der Schule. Er war nicht Mitglied der FDJ und war bisher aufgefallen durch mißliebige Äußerungen und Mangel an Disziplin erinnert der Zeitzeuge und Chronist Karl Hafner im Oktober 2009. Weitere Informationen: www.randomhouse.de und www.institut50plus.de

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