Institut50plus: Deutsche Opernkonferenz 2010 in Dresden: »Bildung ist mehr als Ausbildung«

 
Die deutschsprachige Opernkonferenz hat auf ihrer Frühjahrs-Tagung, die am vergangenen Wochenende in Dresden stattgefunden hat, den hohen Stellenwert der Oper für Orientierung und Entwicklung der Gesellschaft hervorgehoben und ein verstärktes Interesse der Bildungspolitik an der ästhetischen Bildung gefordert. „Bildung ist mehr als Ausbildung. Gerade in Zeiten politischerund gesellschaftlicher Umbrüche brauche die Gesellschaft ein Forum der Reflexion“, stellte der neugewählte Vorsitzende der Opernkonferenz, der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe nach der Konferenz, die am Samstag zu Ende ging, fest. Die schwierige ökonomische Situation in der Welt wie auch die zunehmende Globalisierung führen aus Sicht der Opernkonferenz dazu, dass Effektivität und wirtschaftlich Maßstäbe in der Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund treten.

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Prof. Gerd Uecker mit seiner Nachfolgerin Dr. Ulrike Hessler, der Intendantin der Semperoper Dresden, Foto: (c) Matthias Creutziger

Andere Werte drohen dabei aus dem Blick zu geraten. Selbst die Bildung begrenzt sich zunehmend auf Ausbildung und stellt damit nur auf das ab, was für den ökonomischen Erfolg wichtig ist. Die Menschen, insbesondere die jüngeren, reagieren darauf mit Verun-sicherung und Aggression. Es sei, so Loebe, gerade die Kunst, die das alles aufnehmen und zur Diskussion stellen könne. Das geschehe vor allem im Theater. Immer wieder aufs neue beleuchte und reflektiere auch die Oper die entscheidenden menschlichen Fragen. In der Bildungspolitik, so hat die Opernkonferenz in ihrem Meinungsaustausch festgestellt, fehlt es an ausreichen-dem Bewusstsein für diese Bedeutung des künstlerischen Schaffens. Oft gibt es nicht einmal einen Meinungsaustausch über Fragen ästhetischer Bildung zwischen dem Kulturministerium einerseits und dem Bildungsministerium andererseits. Die Opernkonferenz hält diesen Dialog aber für dringend überfällig. Es gehe nicht nur ums Sparen, sondern vielmehr um die Frage, wieviel einer Gesellschaft die ästhetische Bildung wert sei.

Bernd Loebe löst als neuer Vorsitzender der Opernkonferenzden Intendanten der Semperoper in Dresden, Gerd Uecker ab, der dem Gremium fünf Jahre vorge-standen hat und seine Inten-danz in Dresden zum Ende dieser Spielzeit aufgibt. Der deutschsprachigen Opernkonferenz gehören die 11 größten Opernhäuser der Bundesrepublik Deutschland an. Außerdem sind Mitglied der Opernkonferenz die Opernhäuser in Zürich und Wien. Assoziierte Mitglieder sind die Opern Covent Garden in London und die Opéra National in Paris. Weitere Informationen: www.semperoper.de

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