Eberhard Görner: »Weltbürger in patriotischer Absicht«

 
Eberhard Görner: »Weltbürger in patriotischer Absicht«Erneut erweist sich Eberhard Görner (Bad Freienwalde), Buchautor, Drehbuchautor und Filmregisseur, in dem Buch »Ortstermin – Bilder aus dem Stollberger Land« als ein Autor, dem es gelingt, Situationen sprachlich differenzierend zu gestalten.

»Es kam der Tag«, so Eberhard Görner in seinem Beitrag «Meine Heimat«, »wo das Volk seine Heimat in den Farben der DDR nicht mehr schützen wollte. Der soziale und kulturelle Reichtum meiner Kindheit war zum Windhauch geworden. Das Kino war vermauert, das Restaurant Sächsischer Hof, wo wir noch Peterchens Mondfahrt als Marionetten-Theater erlebten, zur Ruine verkommen. Der Friedhof, zwischen den Gräbern Wüstenei. Das Gasthaus Grüne Wiese abgerissen. Der orientalische Weihnachtsberg, der größte von Sachsen, verdämmerte zerbrochen auf dem Dachboden der herunter gekommenen Gaststätte Erzgebirgischer Hof, und wenn das Weihnachtsfest nahte, stürmten die Hausfrauen des Dorfes HO und Konsum, weil sich das Gerücht verbreitet hatte, Apfelsinen und Zitronen seien geliefert worden. Die Ausreiseanträge wurden zum Massensport. Die Häuser verfielen und durch das Dach der Kirche fiel der Regen.« OrtsterminAber das steht schon in der Bibel beim Propheten Kohelet, folgert Eberhard Görner: Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Sternenhimmel gibt es eine bestimmte Zeit: Eine Zeit zum Gebären | und eine Zeit zum Sterben | eine Zeit zum Pflanzen | und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen |eine Zeit zum Töten | und eine Zeit zum Heilen | eine Zeit zum Niederreißen | und eine Zeit zum Bauen | eine Zeit zum Weinen | und eine Zeit zum Lachen | eine Zeit für die Klage | und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steine werfen | und eine Zeit zum Steine sammeln | eine Zeit zum Umarmen | und eine Zeit , die Umarmung zu lösen | eine Zeit zum Suchen | und eine Zeit zum Verlieren | eine Zeit zum Behalten | und eine Zeit zum Wegwerfen | eine Zeit zum Zerreißen | und eine Zeit zum Zusammennähen | eine Zeit zum Schweigen | und eine Zeit zum Reden | eine Zeit zum Lieben | und eine Zeit zum Hassen | eine Zeit für den Krieg | und eine Zeit für den Frieden.

Und wenn Eberhard Görner heute in seinen Geburtsort Niederwürschnitz zurückkehrt, setzt er sich gerne vor die neu errichtete Friedhofskapelle. Die Rododrendon-Büsche leuchten in der Sonne, gelb und rot. »Dort ist ein Platz, wo ich gerne bin. Hier treffe ich auf meine Vergangenheit, erlebe die Gegenwart und denke an die Zukunft.«

Eberhard Görner, 1944 im Erzgebirge geboren, studierte an der Pädagogischen Hochschule Leipzig Germanistik und Geschichte, und danach Regie und Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam. Eberhard Görner ist Mitbegründer der bekannten Fernsehreihe »Polizeiruf 110«. Seine Drehbücher nach Literatur von Stephan Hermlin, Christa Wolf, Erich Loest und Thomas Mann wurden mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, wie auch der Spielfilm »Der neunte Tag« (2004) in der Regie von Volker Schlöndorff.

Mit seinen bisherigen Porträts über Gottfried Bermann Fischer, Freya von Moltke, Elisabeth Mann Borgese, George Tabori, Eugen Jochum, Armin Mueller-Stahl, Karl Richter, George Bähr oder Klaus Staeck gehört Eberhard Görner in die erste Reihe des deutschen Dokumentarfilms. Auch als Buchautor hat er sich einen Namen gemacht.

Ein Himmel aus SteinSeine historische Romanbiographie »Ein Himmel aus Stein« erzählt die Geschichte von George Bähr, dem Erbauer der Frauenkirche zu Dresden. Sein im vergangenen Jahr im Leipziger Verlag Faber & Faber erschienenes Buch »Am Abgrund der Utopie« lässt berühmt Persönlichkeiten von Klaus Maria Brandauer bis Klaus von Bismarck zu Wort kommen über die Chancen, auf welche Weise der Mensch sich mit unserem blauen Planeten doch noch aussöhnen kann?

Sein Terminkalender ist gut gefüllt – Erberhard Görner sucht den Dialog mit Zuschauern und Zuhörern, so am 04.11.2008 Chemnitz Lesung aus »Ortstermin«, 07.11.2008 Dresden Weinbergkirche, Filmvorführung »Der neunte Tag«, 09.11.2008 Leipzig, Dominikanerkloster: Filmvorführung »Der neunte Tag«, 23.11.2008 Erlangen: Vortrag und Film »George Tabori«, 26.11.2008 Dresden: Lesung aus »Der Narr und sein König«, 27.11.2008 Sonneberg: Vortrag und Lesung »Am Abgrund der Utopie«, 06.12.2008 Eberswalde, »Am Abgrund der Utopie«. Eberhard Görner ist heute gefragter Referent in Volkshochschulen, Kirchengemeinden sowie Vereinen und Verbänden. Weitere Informationen und Buchungen im Rahmen der Leserreise: Institut50plus, Telefon 0461 140 144, www.institut50plus.de und www.mironde.com

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