Die Herausforderung: »Wahlen in sieben Bundesländern«

Im Vorfeld der Wahlen in sieben Bundesländer empfehlen wir zwei ebenso aktuelle wie aufschlussreiche Bücher – einen Roman und eine Reportage-Sammlung, die beide gleichermaßen viel aussagen über den gegenwärtigen Stand unserer Demokratie:

Eine Politsatire, die punktgenau trifft: Joachim Zelter erzählt radikal und leise zugleich von einem Politiker, der sich nach einem Autounfall an nichts erinnern kann – während die Wahlkampf-Maschinerie unerbittlich losrollt. Zwischen liebenswerter Ahnungslosigkeit und kindlichem Erstaunen, zwischen Fremdsteuerung und eigensinniger Selbstbehauptung erzählt »Der Ministerpräsident« von einem um Erinnerung und Selbst-findung ringenden Helden, der sich in einer Welt wiederfindet, in der Politik nur noch leere Inszenierung und inhaltloser Schein ist. Kritiker begeistert die Prägnanz dieser Politsatire und sehen darin zugleich einen Existenz-Roman, der jeden angeht. Unvoreingenommen blickt Joachim Zelters »Ministerpräsident“ auf eine ihm befremdliche Welt – und entlarvt dadurch die Absurdität des Politikbetriebs. Der vielgelobte Roman wurde 2010 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Schmutzige Machenschaften sauber recherchiert: Josef-Otto Freuden-reich und seine Mitautoren Susanne Stiefel, Rainer Nübel und Meinrad Heck klären mit ihrer Reportagen-Sammlung »Die Taschenspieler« auf über Winkelzüge korrumpierter Politiker, gieriger Unternehmer und mitspielender Staatsbeamter. Und sie zeigen auf: Die »Deutsche Größenwahn AG« haben nicht nur »die da oben« zu verantworten. Die geballte Wucht dieser Sammlung verdeutlicht, mit welchen Mechanismen unsere Gesellschaft funktioniert und wer an welchen Rädchen dreht. Eine Lektüre, die Ulrich Kienzle gerade jetzt empfiehlt: »Das richtige Buch zur Wahl. Der Leser erfährt, wie in der Politik getrickst und getäuscht wird. Mit dem starken Stück Aufklärung ist er bestens gerüstet für den Gang in die Wahlkabine.« Die Themen:

Die Deutsche Größenwahn AG: Als die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 auch über die Deutschen kam, standen gierige und größenwahnsinnige Finanzjongleure am Pranger. Beim genauen, pointierten Hinsehen stieß Rainer Nübel jedoch auch in weiten Teilen der gesamten Gesellschaft auf Strukturen des Größenwahns und auf eine alltägliche Hybris. Demut kommt nach dem Fall?

Mit Frauen in der Wirtschaft und der dünnen Luft ganz oben im Management hat sich Autorin Susanne Stiefel beschäftigt. In ihrem Beitrag »Wer sich nicht fügt, fliegt« ist sie der Geschichte einer Personalchefin auf den Grund gegangen. »Die Quote ist ein Muss«, sagt sie. »ohne wenn und aber.«

Der Polizistenmord von Heilbronn: Am 25. April jährt sich der ungelöste, durch den »Phantom« -Skandal international bekannt gewordene Fall zum vierten Mal. Neue Recherchen des Autors Rainer Nübel führen zu politisch brisanten Spuren und Ermittlungsansätzen, die von der Polizei vernachlässigt oder sogar vertuscht wurden: Es geht um auffällige Bezüge zu radikalen Islamisten und osteuropäischen Vertretern der Organisierten Kriminalität. Italienische und französische Fernsehsender greifen das Buchkapitel bereits auf.

Mafia-Giftschiffe und die drohende Umweltkatastrophe: Vor der Küste Italiens liegen mehr als 100 Schiffe, die Giftmüll oder radioaktives Material von Firmen aus halb Europa, darunter Deutschland, geladen hatten – versenkt von der Mafia, als letztes Glied eines internationalen Kartells, das Giftmüll seit Jahren illegal entsorgt. Rainer Nübel ist den Hintergründen der drohenden Umweltkatastrophe nachgegangen – eine parlamentarische Kommission in Rom hat ihn jetzt eingeladen, seine im Buch veröffentlichten Rechercheergebnisse vorzutragen.

Wenn Finanzhaie nach dem Geld kleiner Leute greifen steht nicht selten der Staat mit ein paar hilfreichen Gesetzen zur Seite. Solchen Finanzhaien wurde ein milliardenschwerer Markt geöffnet. Seit die Rente nicht mehr sicher ist, machen Politiker auch mitunter dubiose Finanzvermittler in hübschen Werbebroschüren salonfähig. In seinem Beitrag »Full House« beschreibt Meinrad Heck exemplarisch einen solchen Salon, und was sich darin abspielt: Die politischen Netzwerke und den Zusammenbruch des Finanzriesen »Göttinger Gruppe«, der 270.000 Menschen um eine Milliarde Euro gebracht hat und der wundersamerweise wie so von keiner Justiz ernsthaft behelligt wurde.

Das heute so gefährliche Salzbergwerk mit seinem Atommüll im niedersächsischen Asse wurde öffentlich über Jahre als Forschungsvorhaben verkauft, war in Wahrheit aber von Beginn an als Endlager geplant. Gestützt auf zahlreiche Dokumente belegt Meinrad Heck, wie die Geschichte der Kernenergie in Deutschland mit einer Lüge begann und sich in der aktuellen Frage Gorleben mit ähnlichen Lügen fortsetzt. Die Atomlobby hat immer noch ihre »Asse im Ärmel«. Und auch zu Stuttgart 21, Cross-Border-Leasing und der »Kunst-Mafia« hat die Journalisten-Gruppe um Josef-Otto Freudenreich recherchiert. Weitere Informationen: www.kloepfer-meyer.de

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