Denk-mal50plus: »Woher rührt eigentlich unsere Politikverdrossenheit?«

 
Wenn wir in unserem Lande über Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung nachdenken, hilft uns das Buch »Postdemokratie« des Politikwissenschaftlers Colin Crouch politische und wirtschaftspolitische Entwicklungen in der viel zitierten globalen Welt zu verstehen.

Dieser Begriff des Politikwissen-schaftlers Colin Crouch wurde nach dem Erscheinen der Originalausgabe seines Buches zum Kristallisationspunkt der Debatte um Politik-
verdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung. Crouch hat dabei ein politisches System im Auge, dessen demokratische Institutionen zwar weiterhin formal existieren, das von Bürgern und Politikern aber nicht länger mit Leben gefüllt wird. Der polemische Essay, der in Italien und Großbritannien bereits als Klassiker der Gegenwartsdiagnose gilt, liegt nun endlich auch in deutscher Übersetzung im Suhrkamp Verlag vor.

Der Autor weist in seinem Buch auf eine amerikanische Entwicklung hin in dem er feststellt: Unter der Regierung Ronald Reagans veränderte sich das Land dann allerdings von Grund auf: Die wohlfahrtsstaatlichen Institutionen wurden beinahe restlos abgewickelt, die Gewerkschaften marginalisiert, und die Spaltung zwischen Arm und Reich erreichte allmählich ein Niveau, das man bisher nur aus Ländern der dritten Welt gekannt hatte. Die Verbindung von Modernisierung und der Verringerung der sozialen Ungleichheit, die zuvor als historische Notwendigkeit gegolten hatte, zerbrach. Das amerikanische Beispiel kam den Eliten in aller Welt, auch in den Ländern, die soeben den Kommunismus hinter sich gelassen hatten, gerade recht. Genau in dieser Zeit begannen amerikanische Autoren ein Konzept der Demokratie zu vertreten, das gekennzeichnet war durch die begrenzte Macht der Regierung inmitten einer unbeschränkten kapitalistischen Ökonomie. Die wirklich demokratische Komponente reduzierten sie dabei auf das Abhalten von Wahlen.«

Horst Grenz, Leiter des Flensburger Intituts50plus: »Angesicht der Schwierigkeit, die politische Realität auch in unserem Land dem Ideal der Demokratie anzunähern, müssen wir uns mit »Pseudostrukturen ohne Inhalte« auseinandersetzen und »schamlose Interlektualität« zurückweisen, um einen weiteren Niedergang der politischen Kultur aufzuhalten. Wir sollten überlegen, wie wir unsere Bürgerbeteiligung tatsächlich leben.« Weitere Informationen: www.suhrkamp.de
und www.institut50plus.de

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