Richard David Precht, Erkenne die Welt

Erkenne die Welt stand weit oben auf meinem Wunschzettel, dennoch wagte ich mich nur mit einer gehörigen Portion Respekt daran. Sporadisch hatte ich mich immer wieder intensiver mit der Philosophie befasst, mich jetzt aber mit diesem Sachbuch auseinanderzusetzen, wollte gut geplant sein. Denn Lesen allein ist nicht alles. Es muss schließlich auch verdaut und hinterfragt werden. Dabei kamen eigen Anschauungen auf den Prüfstand und neue Erkenntnisse müssten sich im Alltag bewähren. Richard David Precht erhebt selbst nicht den Anspruch der Vollständigkeit für sein Werk. Es ist ein gut geordneter Abriss, mehr können die 576 Seiten auch nicht hergeben. Aber zwei weitere Bände zu dieser Geschichte der Philosophie sind ja noch im Entstehen. In diesem 1. Band widmet sich Precht speziell um die Geschichte der Philosophie in der Antike und im Mittelalter.

Vieles war neu für mich, vieles aber auch bekannt, manches wurde in ein anderes Licht gerückt. Aber so geballt und im Zusammenhang betrachtet bekommt der interessierte Laie ein gutes Rüstzeug in die Hand, um die Welt ein wenig besser verstehen zu können. Das Buch ist gut durchdacht, logisch aufgebaut und hochinteressant. Ein wenig bedaure ich es, dass es solch ein allgemeinverständliches Werk nicht gab, als ich als Jugendliche die Welt zu erkennen und zu hinterfragen begann. Weitre Informationen: www.randomhouse.de

Nicolaus Schneider, Als flögen wir davon

Als wir Kinder waren, war man mit siebzig Jahren alt und mit achtzig eine Greisin. Dies hat sich in unserer westlichen Welt durch viele günstige Lebensumstände massiv geändert. Viele Menschen starten mit Eintritt ins Rentenalter noch einmal "richtig durch". Der Erkenntnis, den Zenit des Lebens überschritten zu haben, kommt aber niemand aus. Wer auf ein langes Leben zurückblickt, wird seine/ ihre je eigenen Schlüsse ziehen: Würde ich es noch einmal so machen? Wie gestalte ich den Rest meines Lebens? Bereite ich mich auf den Tod vor oder verdränge ich die Tatsache meiner Sterblichkeit? Nikolaus Schneider, der wie kein anderer öffentlich und dennoch zutiefst persönlich über das Sterben gesprochen hat, will von seinen Gesprächspartner*innen - z.T. Weggefährt*innen - wissen, wie bewusst sie sich auf die letzte Wegstrecke machen. Gedanken von Franz Alt, Christine Bergmann, Eleonore Frey, Gisela und Manfred Kock, Hans Küng, Lore Maria Peschel-Gutzeit, Fulbert Steffensky, u.v.a.m. Weitere Informationen: www.randomhouse.de

Margot Käßmann, Was uns Zuversicht gibt

Die Reformationsbotschafterin predigte in den vergangenen sieben Jahren in unzähligen Kirchen weltweit und vor millionenfachem Publikum. Und immer reiste sie mit Handgepäck: der Bibel. Die für sie wichtigsten biblischen Texte bringt die begabte Rednerin in den Dialog mit den Fragen nach Frieden und Gerechtigkeit, aber auch dem privaten Glück. Emphatisch zeigt sie, wie Menschen zu allen Zeiten Zuversicht aus den biblischen Schriften schöpften. Weitere Informationen: www.randomhouse.de

 

Ellen Überschär, religiös & ruhelos

Mehr Politik, weniger Staat. Sie hat es noch erlebt, die Peinlichkeit, in der religionsfeindlichen Schule für ihren Glauben verspottet zu werden: Ellen Ueberschär, heute Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages, war zu Zeiten der Friedlichen Revolution gerade mal Anfang 20. Und sie hat erlebt, wie ein mutiges Bekenntnis Mauern zum Einstürzen bringt. Religion ohne politische Einmischung ist für Ellen Ueberschär daher undenkbar. Christliche Werte in der pluralen Gesellschaft und im Dialog der Religionen, Beteiligungskirche statt Betreuungskirche und eine reflektierte Religiosität sind die Stichworte der Zukunft. Weitere Informationen: www.randomhouse.de

Christoph Markschies, Aufbruch oder Katerstimmung?

Was bleibt vom Reformationsjubiläum, wenn der letzte festliche Gottesdienst gefeiert und der letzte wissenschaftliche Vortrag gehalten ist? Gibt es den allseits erhofften ökumenischen Aufbruch, den Viele als längst überfällig empfinden? Oder kommen wir gar in der multireligiösen Gegenwart an, in der künftig christliche, islamische und jüdische Theologie an einer Fakultät gelehrt werden? Christoph Markschies, der den Grundlagentext der EKD "Rechtfertigung und Freiheit" entscheidend geprägt hat, schildert den Weg des Jubiläums durch Gremienarbeit, mediale Öffentlichkeit, wissenschaftliche Kritik und weltweite Rezeption. Wegweiser in die Zukunft werden sichtbar: Das Reformationsgedenken feiert Versöhnung statt Spaltung; Wissenschaftler und Kirchenämter diskutieren über Christsein heute; Theologie gewinnt öffentliche Relevanz. Weitere Informationen: www.randomhouse.de

Menahim Pressler/Holger Noltze, Dieses Verlangen nach Schönheit

Mit über 90 Jahren gehört Menahem Pressler zu den ältesten aktiven Konzertpianisten der Welt. Lange war er vor allem als Pianist des Beaux Arts Trios bekannt – 53 Jahre hatte das Ensemble Bestand. In Gesprächen des Jahrhundertpianisten mit dem Musikjournalisten Holger Noltze entstand das Buch »Das Verlangen nach Schönheit«.

Nach Auflösung des Ensembles schloss Pressler eine faszinierende Karriere als Solist an: mit Konzerten und Aufnahmen, die Lektionen in Schönheit sind. Das erste Buch, das mit und über ihn in deutscher Sprache erscheint, entstand in Zusammenarbeit mit dem Musikjournalisten Holger Noltze über sein Leben für die Musik, das Glück des Hörens und Spielens – und das immer wache Verlangen nach Schönheit. »Wir wissen«, sagt Pressler, »dass für uns das Leben aufhört ohne die Musik, dass es ein Irrtum wäre, eine Öde. Aber wer die Ohren hat zu hören, spürt den Reichtum der Welt.« Am 12. Dezember setzten beide ihr Gespräch über Presslers Lebenswerk und die Frage nach Wesen und Wirkung der Musik im KörberForum fort. Weitere Informationen: www.koerber.stiftung.de

Julian Nida-Rümelin, Über Grenzen denken

Über zwei Milliarden Menschen leben weltweit in bitterster Armut, leiden unter Hoffnungslosigkeit, Hunger, Unterdrückung und Krieg. Über 65 Millionen von ihnen waren allein im letzten Jahr auf der Flucht, viele Menschen weltweit erhoffen sich ein besseres Leben in Europa oder Nordamerika. Hilfe tut also dringend not – aber sind offene Grenzen die richtige Antwort auf das Elend in der Welt?

Diese Ansicht findet viele Fürsprecher, doch der Philosoph Julian Nida-Rümelin ist überzeugt: Offene Grenzen würden das Elend nicht wesentlich mildern, sondern die Herkunftsregionen sogar weiter schwächen und die sozialen Konflikte in den aufnehmenden Ländern verschärfen. Eine Lösung für die beschämenden humanitären Skandale unserer Zeit sind sie nicht. Weitere Informationen: www.koerber-stiftung.de

Uwe Jean Heussler, Kapitalismus inklusive

Mit großer Sorge beobachtet der Wirtschaftsjournalist Uwe Jean Heuser die zunehmende Spaltung der westlichen Gesellschaften. Auch in Deutschland ist die fundamental demokratische Überzeugung, dass alle eine faire Chance auf Wohlstand und Partizipation haben, verschwunden. Abstiegssorgen und Angst reißen die Gesellschaft immer weiter auseinander. Das ist eine Frage geteilter Normen und Werte, aber nicht weniger eine wirtschaftliche Frage, erklärt Heuser: Der Kampf um die liberale Demokratie ist auch einer um einen neuen Kapitalismus. 

Heuser entwirft eine Vision guten gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit einem empathischen Kapitalismus, der Wirtschaft und Gesellschaft in Balance bringt. Er diagnostiziert die gesellschaftlichen Fliehkräfte, von einer verfehlten Geld- und Finanzpolitik über die Bauernfängermethoden der Populisten und die Gutsherrenart internationaler Konzerne bis zum Vertrauensverlust der Medien. Keine dieser Krisen, so Heuser, lässt sich ohne ihre wirtschaftlichen Aspekte begreifen. Und so groß die Verführungsmacht autoritativer und protektionistischer Wirtschaftssysteme sein mag, auf Dauer manifestieren sie die Spaltung weiter und berauben die Gesellschaft ihrer Zukunftsfähigkeit. 

Wenn sich das kapitalistische System auch grundsätzlich bewährt hat, müssen wir doch seine Regeln und Gesetzmäßigkeiten neu aushandeln: Statt eines exklusiven, der den Menschen Teilhabe verwehrt, brauchen wir einen inklusiven Kapitalismus! Weitere Informationen: www.koerber-stiftung.de

Georg Blume, Der Frankreich Blues – Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert

Adenauer und de Gaulle, Giscard d’Estaing und Schmidt, Mitterrand und Kohl, Merkel und Sarkozy: Jahrzehntelang reichten sich französische und deutsche Spitzenpolitiker symbolträchtig die Hände. Und in Städtepartnerschaften von Flensburg bis Marseille, in Schüleraustauschen und sogar einem gemeinsamen Fernsehsender folgten auch die beiden Nationen. Aus den einstigen Erbfeinden schienen Freunde für ein ganzes Völkerleben geworden zu sein.

Um diese gute Freundschaft steht es aber schlecht: Seit einigen Jahren machen wir es den Franzosen verteufelt schwer, uns zu mögen, stellt der Frankreich-Kenner Georg Blume fest. Denn seit sich Deutschland unter der großen Koalition aufführt wie ein Elefant in der Pâtisserie, sind diese herzlichen Beziehungen in ernster Gefahr. Von den Stammgästen ländlicher Bistros bis zu Pariser Intellektuellen und Spitzenpolitikern ziehen die Franzosen eine bittere Bilanz: Deutschland hat kein Interesse mehr an Frankreich, will seinen Erfolg nicht teilen, nimmt in Wirtschafts- und Sozialpolitik keine Rücksicht mehr auf den Nachbarn und Freund und ignoriert dessen Stärken. Erstmals seit Jahrzehnten erklingen im französischen Wahlkampf wieder antideutsche Töne.

Georg Blume hält uns den Spiegel vor, aber er verkennt auch nicht die inneren Probleme Frankreichs. Doch es lohnt sich, um unseren treuen Freund zu kämpfen: Nur wenn Deutschland und Frankreich ihr Beziehungstief überwinden, kann sich das ganze europäische Projekt wieder stabilisieren. Weitere Informationen:

Vesa Sirén, Finnlands Dirigenten

In „Finnlands Dirigenten – Von Sibelius und Schnéevoigt bis Saraste und Salonen“ erzählt Vesa Sirén narrativ und analytisch, mit Liebe für Details wie mit dem Blick aufs Große, wie visionäre Künstler und geniale Lehrmeister die finnische Dirigierkunst einzigartig gemacht haben. Bei seinen Recherchen ist er auf bisher unbekannte Notizen von Jean Sibelius und verschollen geglaubte Briefe von Robert Kajanus gestoßen. Diese und andere Dokumente gewähren Einblicke in die künstlerische Vision und den Arbeitsalltag der beiden Mitbegründer der Klassikszene Finnlands. 

Kajanus und Sibelius komponieren große Orchesterwerke auf der Basis des „Kalevala“, des finnischen Nationalepos. Über den Heldenmythos findet Sibelius zu seiner einzigartigen symphonischen Kunst und schreibt 1899 die erste Fassung von „Finlandia“. Damals heißt die Suite, zu der das später „Finlandia“ genannte Stück „Finnland erwacht“ gehört, noch „Musik zu den Pressefeiern“ und ist ein klingender Protest gegen die Bestrebungen Russlands, die Autonomie Finnlands einzuschränken. Als das Werk 1900 auf der Pariser Weltausstellung erklingt, dirigiert von Robert Kajanus, verleiht es nicht nur Finnlands Streben nach einer eigenständigen Kultur und nach Unabhängigkeit vom russischen Zarenreich Ausdruck, sondern macht auch Finnlands Musik und Dirigenten auf einen Schlag berühmt. „Finlandia“ erzählt von Weite und Wehmut, vom Kampf und Konflikt – bis es in einen später hinzugefügten hymnischen Chor mündet: „Oh Finnland, erhebe dich ...“. 1917 ist es so weit: Finnland wird unabhängig. Weitere Informationen: www.finnlands-diriganten.de