Julian Nida-Rümelin, Über Grenzen denken

Über zwei Milliarden Menschen leben weltweit in bitterster Armut, leiden unter Hoffnungslosigkeit, Hunger, Unterdrückung und Krieg. Über 65 Millionen von ihnen waren allein im letzten Jahr auf der Flucht, viele Menschen weltweit erhoffen sich ein besseres Leben in Europa oder Nordamerika. Hilfe tut also dringend not – aber sind offene Grenzen die richtige Antwort auf das Elend in der Welt?

Diese Ansicht findet viele Fürsprecher, doch der Philosoph Julian Nida-Rümelin ist überzeugt: Offene Grenzen würden das Elend nicht wesentlich mildern, sondern die Herkunftsregionen sogar weiter schwächen und die sozialen Konflikte in den aufnehmenden Ländern verschärfen. Eine Lösung für die beschämenden humanitären Skandale unserer Zeit sind sie nicht. Weitere Informationen: www.koerber-stiftung.de

Uwe Jean Heussler, Kapitalismus inklusive

Mit großer Sorge beobachtet der Wirtschaftsjournalist Uwe Jean Heuser die zunehmende Spaltung der westlichen Gesellschaften. Auch in Deutschland ist die fundamental demokratische Überzeugung, dass alle eine faire Chance auf Wohlstand und Partizipation haben, verschwunden. Abstiegssorgen und Angst reißen die Gesellschaft immer weiter auseinander. Das ist eine Frage geteilter Normen und Werte, aber nicht weniger eine wirtschaftliche Frage, erklärt Heuser: Der Kampf um die liberale Demokratie ist auch einer um einen neuen Kapitalismus. 

Heuser entwirft eine Vision guten gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit einem empathischen Kapitalismus, der Wirtschaft und Gesellschaft in Balance bringt. Er diagnostiziert die gesellschaftlichen Fliehkräfte, von einer verfehlten Geld- und Finanzpolitik über die Bauernfängermethoden der Populisten und die Gutsherrenart internationaler Konzerne bis zum Vertrauensverlust der Medien. Keine dieser Krisen, so Heuser, lässt sich ohne ihre wirtschaftlichen Aspekte begreifen. Und so groß die Verführungsmacht autoritativer und protektionistischer Wirtschaftssysteme sein mag, auf Dauer manifestieren sie die Spaltung weiter und berauben die Gesellschaft ihrer Zukunftsfähigkeit. 

Wenn sich das kapitalistische System auch grundsätzlich bewährt hat, müssen wir doch seine Regeln und Gesetzmäßigkeiten neu aushandeln: Statt eines exklusiven, der den Menschen Teilhabe verwehrt, brauchen wir einen inklusiven Kapitalismus! Weitere Informationen: www.koerber-stiftung.de

Martin Buber – Was es heißt ein Mensch zu sein

»Lasst uns den Menschen verwirklichen!« Mit diesem Appell beendet der deutsche Jude Martin Buber 1953 seine Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Im Auditorium: nicht wenige, die acht Jahre zuvor noch Nazi-Uniformen getragen hatten! Aber gerade das macht deutlich, worum es Buber ging: Wie wird und wie bleibt ein Mensch wirklich Mensch? Dominique Bourel erzählt in dieser monumentalen Biografie den Lebens- und Denkweg Martin Bubers. Er zeigt ihn als einen Hüter der Menschlichkeit in einem unmenschlichen Jahrhundert. Ein Lebensweg in einer Haltung, die gerade in dieser Zeit Vorbild sein kann! SWeitere Informationen: www.randomhouse.de

Georg Blume, Der Frankreich Blues – Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert

Adenauer und de Gaulle, Giscard d’Estaing und Schmidt, Mitterrand und Kohl, Merkel und Sarkozy: Jahrzehntelang reichten sich französische und deutsche Spitzenpolitiker symbolträchtig die Hände. Und in Städtepartnerschaften von Flensburg bis Marseille, in Schüleraustauschen und sogar einem gemeinsamen Fernsehsender folgten auch die beiden Nationen. Aus den einstigen Erbfeinden schienen Freunde für ein ganzes Völkerleben geworden zu sein.

Um diese gute Freundschaft steht es aber schlecht: Seit einigen Jahren machen wir es den Franzosen verteufelt schwer, uns zu mögen, stellt der Frankreich-Kenner Georg Blume fest. Denn seit sich Deutschland unter der großen Koalition aufführt wie ein Elefant in der Pâtisserie, sind diese herzlichen Beziehungen in ernster Gefahr. Von den Stammgästen ländlicher Bistros bis zu Pariser Intellektuellen und Spitzenpolitikern ziehen die Franzosen eine bittere Bilanz: Deutschland hat kein Interesse mehr an Frankreich, will seinen Erfolg nicht teilen, nimmt in Wirtschafts- und Sozialpolitik keine Rücksicht mehr auf den Nachbarn und Freund und ignoriert dessen Stärken. Erstmals seit Jahrzehnten erklingen im französischen Wahlkampf wieder antideutsche Töne.

Georg Blume hält uns den Spiegel vor, aber er verkennt auch nicht die inneren Probleme Frankreichs. Doch es lohnt sich, um unseren treuen Freund zu kämpfen: Nur wenn Deutschland und Frankreich ihr Beziehungstief überwinden, kann sich das ganze europäische Projekt wieder stabilisieren. Weitere Informationen:

Jens-Peter Schröder, Halbzeit – Der Weg zur inneren Meisterschaft

Strategien gegen Selbstsabotage und Negativprogrammierungen: Die erste Halbzeit im Spiel des Lebens ist vorbei. Und jetzt geht es erst richtig los! Denn nach den ersten 45 Jahren unserer "Spielzeit" gelten ganz andere Regeln. In der zweiten Halbzeit spielen wir auf das andere Tor. Wer jetzt immer noch weiter in die gleiche Richtung rennt - läuft Gefahr, ein Eigentor zu schießen. In der Halbzeitpause ist es sinnvoll, innezuhalten - Bilanz zu ziehen und Strategien gegen Selbstsabotage und Negativprogrammierungen aufzustellen. Mit dem Standbein des Realitätssinns und dem Spielbein der Möglichkeitsräume ist der Weg frei zur inneren Meisterschaft. Weitere Informationen: www.frequenzwechsel.de


Vesa Sirén, Finnlands Dirigenten

In „Finnlands Dirigenten – Von Sibelius und Schnéevoigt bis Saraste und Salonen“ erzählt Vesa Sirén narrativ und analytisch, mit Liebe für Details wie mit dem Blick aufs Große, wie visionäre Künstler und geniale Lehrmeister die finnische Dirigierkunst einzigartig gemacht haben. Bei seinen Recherchen ist er auf bisher unbekannte Notizen von Jean Sibelius und verschollen geglaubte Briefe von Robert Kajanus gestoßen. Diese und andere Dokumente gewähren Einblicke in die künstlerische Vision und den Arbeitsalltag der beiden Mitbegründer der Klassikszene Finnlands. 

Kajanus und Sibelius komponieren große Orchesterwerke auf der Basis des „Kalevala“, des finnischen Nationalepos. Über den Heldenmythos findet Sibelius zu seiner einzigartigen symphonischen Kunst und schreibt 1899 die erste Fassung von „Finlandia“. Damals heißt die Suite, zu der das später „Finlandia“ genannte Stück „Finnland erwacht“ gehört, noch „Musik zu den Pressefeiern“ und ist ein klingender Protest gegen die Bestrebungen Russlands, die Autonomie Finnlands einzuschränken. Als das Werk 1900 auf der Pariser Weltausstellung erklingt, dirigiert von Robert Kajanus, verleiht es nicht nur Finnlands Streben nach einer eigenständigen Kultur und nach Unabhängigkeit vom russischen Zarenreich Ausdruck, sondern macht auch Finnlands Musik und Dirigenten auf einen Schlag berühmt. „Finlandia“ erzählt von Weite und Wehmut, vom Kampf und Konflikt – bis es in einen später hinzugefügten hymnischen Chor mündet: „Oh Finnland, erhebe dich ...“. 1917 ist es so weit: Finnland wird unabhängig. Weitere Informationen: www.finnlands-diriganten.de

Henrik Meinander, Finnlands Geschichte

Gekonnt verbindet Henrik Meinander die politischen und kulturellen Entwicklungen des Landes und setzt sie geschickt und fesselnd in den nordischen und europäischen Kontext. Seinen Focus richtet er auf das baltische Gebiet, dabei verbindet er die finnische Geschichte mit den großen sozialen, politischen und strukturellen Umwälzungen in Europa. Der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Finnlands kommt eine ebenso große Bedeutung zu wie seiner geografischen Lage und seinen Ressourcen.

Die Geschichte des Landes wurde maßgeblich durch seine Nachbarschaft zu Schweden und Russland geprägt, aber auch durch seine prädestinierte Lage an der Nordostküste der Ostsee. Einen umfangreichen Teil seiner Betrachtungen widmet er der zeitgenössischen Geschichte und beleuchtet das Engagement Finnlands in Bezug auf die aktuellen baltischen und europäischen Ereignisse, um daraus Rückschlüsse auf die mögliche Wirkung und zukünftige Entwicklung des Landes am nördlichen Rand Europas zu ziehen.

„Henrik Meinander hat in seiner Geschichte Finnlands von der Eiszeit bis zur Nato-Frage alles eingeblendet. Sein Stil ist locker und gleichzeitig voller Substanz, sodass der Text einen eigenen Sog bekommt und der Leser immer wieder überrascht wird, wie ein paar wenige, gut gewählte Worte, ein faszinierendes Gesamtbild entstehen lassen.“ Jari-Pekka Vuorela, Aamulehti, Tampere. Weitere Informationen: www.scoventa.de

Peter Schaar, Trügerische Sicherheit, Wie die Terrorangst uns in den Ausnahmezustand treibt

Terrorakte, Kriminalität und Zuwanderung erschrecken viele Menschen zutiefst – auch wenn die faktische Bedrohung für den Einzelnen kaum messbar ist. Der renommierte Datensicherheitsexperte Peter Schaar kann nachweisen: Die Maßnahmen des Anti-Terror-Kampfes haben kaum zu Erfolgen geführt. Aber sie unterhöhlen schleichend die Bürgerrechte. Längst sind nicht mehr nur Länder mit autokratischen Regimen von solchen Einschränkungen betroffen: Während wir uns über willkürliche Verhaftungen in der Türkei empören, vergessen wir, dass in den USA seit 2002 der Homeland Security weitgehende Rechte eingeräumt werden und dass in Frankreich seit November 2015 der Ausnahmezustand gilt. Und auch in Deutschland haben wir uns z. B. an die Präsenz schwer bewaffneter Polizisten und die Ausdehnung der Videoüberwachung längst gewöhnt – und sollten den Nutzen und die Risiken solcher Maßnahmen doch immer wieder neu bewerten.

Denn wir tun gut daran, das staatliche Gewaltmonopol demokratisch zu kontrollieren, wie Schaar an vielen Beispielen demonstriert. Ebenso, wie es nötig ist, unsere persönlichen Daten vor der Sammelwut internationaler Konzerne zu schützen, müssen wir auch unseren Anspruch auf Unversehrtheit durch den Staat, auf Schutz vor Willkür verteidigen. Peter Schaar plädiert für einen beherzten Umgang mit den Grundwerten der offenen, freiheitlichen Gesellschaft. Komplette Sicherheit ist eine Illusion – und für die ist der Preis des Verrats an den rechtsstaatlichen Grundsätzen in jedem Fall zu hoch!

Peter Schaar studierte Volkswirtschaft in Berlin und Hamburg und war lange Zeit stellvertretender Datenschutzbeauftragter der Hansestadt. 2003 wählte ihn der Bundestag zum Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Dieses Amt hatte er bis Ende 2013 inne. 2014 wurde er mit dem renommierten amerikanischen Louis D. Brandeis Privacy Award ausgezeichnet. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt »Überwachung total – Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen« (2014) und 2015 in der Edition Körber »Das digitale Wir. Unser Weg in die transparente Gesellschaft«

Götz W. Werner, Einkommen für alle

Mit seinem Buch „Einkommen für alle“ hat er bereit 2007 die Diskussion in Gang gesetzt, ob jeder Bürger ein vom Staat garantiertes bedingungsloses Grundeinkommen erhalten soll. Im August 2010 ist Werners neues Buch „1.000 Euro für jeden: Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen.“ erschienen, das er zusammen mit der Berliner Kuratorin Adrienne Goehler geschrieben hat.

Götz Werner gibt der Grundeinkommensbewegung Gewicht durch seine gesellschaftliche Stellung. Von einem erfolgreichen Unternehmer nimmt man an, dass er einen besonderen Realitätssinn habe und gerade deswegen eher nicht für eine so utopisch klingende Idee wie die des Grundeinkommens sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Und zwar nicht aus einem bloßen Ideal, sondern aus Erkenntnissen und Erfahrungen in einem großen Konzern, der gerade aufgrund von Transparenz, Selbstführung der Mitarbeiter und Zutrauen zu allen Beteiligten besonders erfolgreich ist. Ein Unternehmen, das auch hinsichtlich des Verständnisses von Wirtschaft über sich hinaus weist. Weitere Informationen: http://www.kiwi-verlag.de/

Christian Uhde, Die Alternative

Zum Höhepunkt des Wahlkampfs meldet sich ein starker, unbestechlicher politischer Praktiker zu Wort und spart nicht mit robuster Kritik an den eigenen Parteigenossen und der Politik in Berlin und Brüssel. Christian Ude, seit über 50 Jahren Kommunalpolitiker, erlebt die Welt nach seinem Ausscheiden aus der Tagespolitik völlig neu. Und mit wachsendem Unverständnis. Weil die schönen Verheißungen des Politikbetriebs immer weniger mit der Realität zu tun haben. Weil Politiker die ökonomische und politische Spaltung der Gesellschaft ignorieren. Und weil Christian Ude die Pflege eigener Befindlichkeit als politisches Programm nicht ausreicht. Weitere Informationen : www. randomhouse.de