Gila Lustiger: »Wir sind wahre Meister im Darüberhinwegkommen.«

Sie wären in dieser Nacht nicht dort, wäre Onkel Paul nicht gestorben. So sind sie zurückgekehrt in das Haus ihrer Kindheit. Die Nichten Lisa und Tanja, inzwischen erwachsene Frauen, begegnen sich in dieser Nacht als Schwestern, als Rivalinnen um Liebe und Anerkennung, und sie begegnen sich selbst.

„Wir sind doch über viel, viel Schlimme-res hinweggekommen. Wenn du dir überlegst, worüber wir alles schon hinweggekommen sind. Wir sind wahre Meister im Darüberhinwegkommen.“

Die Geschichte beginnt mit ihrem Ende. Onkel Paul war lange krank gewesen, sein Tod war keine Überraschung, und doch ist da erst mal Stille, Wut und Ratlosigkeit. Belangloses, Erinnerun-gen und Alltägliches mischen sich in das Gespräch der Schwestern. Aufgewühlt von der Trauer, für die sie noch keine Worte haben, erzählen sich Lisa und Tanja von Onkel Paul. Er war an die Stelle des Vaters getreten, als sich die Eltern scheiden ließen. Er übernahm die Rolle der Mutter, als sie sich nach der Trennung nicht um die heranwachsenden Töchter kümmern konnte. Heute ist Tanja eine erfolgreiche Wirtschaftsexpertin, hat Familie, einen soliden Mann und eine niedliche Tochter. Lisas Schauspielerkarriere ist zwar gescheitert, doch sie hat sich ein Leben als Therapeutin aufgebaut. Paul, selbst ein Mann der Kunst, des guten Geschmacks, hatte sich mehr gewünscht, denn seine beiden Nichten sollten alles werden, nur nicht gewöhnlich. Die Trauer macht uns erst sprachlos, dann empfänglich für das, was wir nicht wahrhaben wollen, und gibt uns schließlich eine Sprache für die eigene Geschichte zurück. Diesen Moment nutzt Gila Lustiger in ihrem neuen Roman, entlarvt die Gewissheiten und falschen Wahr-heiten, um dorthin zu gelangen, wo auch Trost wieder möglich ist.

Mit leichter Hand gelingt es ihr, ein Kammerspiel über den Tod zu schreiben und dabei über das Leben zu reden. Gila Lustiger ist eine kraftvolle und kompro-misslose Erzählerin, der wir gern in diese Nacht der Trauer folgen, behält sie sich doch vor, auch das Komische im Allzumenschlichen zu sehen. Weitere Informationen: www.berlinverlage.com

Eva Illouz: »Sie widmet sich in ihrem neuen Buch der Schattenseite der Liebe«

Warum tut Liebe weh, jedenfalls gelegentlich? Was fasziniert uns noch heute an Figuren wie Emma Bovary oder Heathcliff und Catherine, den unglücklich Liebenden aus Emily Brontës Sturmhöhe? Und vor allem: Was unterscheidet uns von ihnen? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Liebeskummer zu Zeiten Jane Austens und der Art und Weise, wie wir ihn heute erfahren und damit umgehen?

»Ja«, sagt Eva Illouz, die Meisterin der soziologischen Analyse der Gefühlswelt moderner Menschen, und widmet sich in ihrem neuen Buch der Schattenseite der Liebe. Sie zeigt, inwiefern der Liebesschmerz wesentlich von den gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Zeit geprägt wird und keineswegs ein rein individuelles Problem ist, wie uns etwa Beziehungsratgeber weismachen wollen. Das Leiden an der Liebe ist ein soziologisches Phänomen, das Illouz untersucht wie einst Marx die Ware im Kapitalismus: in Begriffen des Tauschs zwischen ungleichen Marktteilnehmern. In sechs Kapiteln entfaltet sie die Ursachen zeitgenössischen Liebesleidens sowie die Spezifika des heutigen Umgangs mit Beziehungskrisen. Die digitalen Heiratsmärkte spielen dabei ebenso eine Rolle wie die neuen Mechanismen der Partnerwahl und der strategische Umgang mit der romantischen Vorstellungskraft.

Nach den großen Erfolgen von Der Konsum der Romantik, Gefühle in Zeiten des Kapitalismus und Die Errettung der modernen Seele schreibt Eva Illouz ihre faszinierende Soziologie des modernen Menschen fort, die immer auch kritische Bestandsaufnahme der Zeit ist, in der wir leben. Weitere Informationen: www.suhrkamp.de

Island: »Ein literarischer Reisebegleiter fürs Reisegepäck – mit großen Autoren unterwegs zu den schönsten Orten der Welt«

Island: Land der Trolle und der Geysire, der Gletscher und Vulkane. Immer mehr Reisende entdecken die sagenumwobene Vulkaninsel am Polarkreis. Die Hauptstadt Reykjavík präsentiert sich als aufstrebende junge Metropole mit einer lebendigen Kulturszene. Isländische Musik und Filme wurden internationale Exportschlager.

In diesem Band lädt der Autor – selbst Isländer – ein, seine Heimat zu entdecken. Auf den Spuren der großen isländischen Sagas und einheimischer wie internationaler Autoren führt er uns durch ein faszinierendes Land. Auf sechs Ausflügen lädt Artúr Ballason ein, seine Heimat Island zu ent-decken. Er führt uns durch Reykjavik, zu den berühmten Geysiren, zu sagenumwobenen Vulkanen und Wasserfällen … Weitere Informationen: www.suhrkamp.de

Audur Ava Ólafsdóttir: »Die erstaunliche Geschichte über das Verhältnis eines jungen Vaters und seiner Tochter«

Weiß man, wann es Liebe ist? Arnljotur könnte diese Frage nicht beantworten. Er weiß nur, dass er sich mit ein paar Rosenstöcklingen seiner verstorbenen Mutter auf die Reise begeben muß, um in einem alten, einst weltberühmten Kloster-garten eine seltene Rose zu züchten. Das ist sein Traum.

Sein altes Leben in Island läßt er hinter sich: seinen Vater und seinen Zwillingsbruder, seine kleine Tochter Flora Sol und deren Mutter Anna, mit der ihn wenig verbindet. Es wird eine Reise zu sich selbst, bei der die Gespräche mit einem gebildeten und weisen Mönch eine wichtige Rolle spielen. Dabei geht es immer wieder um Sex, Tod und Liebe – Fragen menschlicher Existenz –, die sich so theoretisch und abstrakt nicht lösen lassen. Da bekommt Arnljotur unerwarteten Besuch – von Anna und Flora Sol. Plötzlich weiß er, daß es Liebe ist, die ihn mit seinem Kind, der Mutter des Kindes verbindet.

Die erstaunliche Geschichte über das Verhältnis eines jungen Vaters und seiner Tochter: wie eine solche Liebe alles andere im Leben relativieren kann. Weitere Informationen: www.suhrkamp.de

Roger Casement, der visionäre Kelte: »Als Aufklärer und Held verehrt, als Verbrecher und Homosexueller verfemt …«

August 1916, die Todeszelle eines Londoner Gefängnisses. Roger Casement hält Rückschau auf sein abenteuerliches Leben. Er erinnert sich an die Jahre in Afrika, als er im Auftrag der britischen Regierung einen folgenreichen Bericht über die kolonialen Grausamkeiten im belgi-schen Kongo verfasste. Und er denkt weiter zurück, an die Kindheit im irischen Ulster, seine zwiespältige Herkunft von einem streng protes-tantischen Vater und einer tiefgläu-bigen katholischen Mutter, die viel zu früh verstarb.

An das Jahr 1910, als Casement ins peruanische Amazonasgebiet reist, um die grausamen Machenschaften eines Unternehmens zu dokumentieren, das mit britischem Kapital arbeitet. Was er dort sieht und hört, bringt ihn fast um den Verstand. Dabei wird ihm, dem inzwischen kontroversen Idealisten und öffentlichen Aufklärer, immer dringlicher seine eigentliche Mission bewusst. Heimlich begibt er sich nach Berlin und sucht deutsche Unterstützung für die irische Unab-hängigkeitsbewegung. Doch in den Wirren des Ersten Weltkrieges gerät er zwischen alle Fronten. Und wird von denen verraten, die er zu lieben glaubt …

Als Aufklärer und Held verehrt, als Verbrecher und Homosexueller verfemt, träumte der große, visionäre Kelte Roger Casement von einer freien, befrie-deten Welt. Mit seiner ganzen epischen Kraft zeichnet Mario Vargas Llosa so schonungslos wie eindrucksvoll die inneren und äußeren Kämpfe, das turbulente Wirken dieser umstrittenen historischen Figur nach. Weitere Informationen: www.suhrkamp.de

Philipp Lahm – Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Als Junge hat er bloß gern Fußball gespielt. Jetzt ist Philipp Lahm Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern München. Wie gelingt so eine Karriere als Spitzenfußballer? Und was muss ein moderner Fußballer dafür alles mitbringen?

Philipp Lahm berichtet in vielen überraschenden Details über seinen Aufstieg vom Nachwuchsspieler des FC Bayern zu einem der besten Außenverteidiger der Welt. Er erzählt von unvergesslichen Momenten deutscher Fußballgeschichte und schildert, was hinter den Kulissen von Bundesliga, Champions-League und großen Turnieren geschieht. Und er beantwortet entscheidende Fragen: Welchen Anforderungen muss ein Spitzenfußballer heute genügen? Was bedeutet es, permanent in der Öffentlichkeit zu stehen? Was heißt es, im richtigen Moment Zivilcourage zu zeigen – und wie kann man als Einzelner eine ganze Mannschaft mitreißen?

Philipp Lahm zeigt nicht nur auf dem Platz, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, sondern auch in diesem Buch. »Der feine Unterschied« hilft mit, die Welt des Fußballs besser zu verstehen. Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen, können das Buch als Gebrauchsanweisung für ihre eigene Karriere lesen. Fans erkennen plötzlich Zusammenhänge, die sie so noch nie gesehen haben.

Für alle anderen ist »Der feine Unterschied« eine authentische Einführung in den populärsten Sport der Welt. Weitere Informationen: www.kunstmann.de

Helke Sander: »Der letzte Geschlechtsverkehr und andere Geschichten über das Altern«

„Ohne Partner war man heutzutage gewissermaßen defekt. Alle fanden selbstverständlich, dass es zwar keinen Anspruch darauf geben könne, Millionär zu werden, aber Mutter noch mit sechzig sollte offenbar möglich sein.“

Alt zu werden im 21. Jahrhundert bie-tet viele Vorteile, es führt aber auch zu menschheitsgeschichtlich vollkommen neuen Herausforderungen. Sex im Alter zum Beispiel ist neuerdings ein beliebtes Medienthema, aber wie sieht es damit wirklich aus?
In ganz und gar unverwechselbarem Ton erzählt die bekannte Filmemache-rin und Autorin Helke Sander von Frauen (und Männern), die den Herausforderungen des Alters auf höchst individuelle Weise begegnen. Da ist die Bibliothekarin Ende Vierzig, die Tochter ist schon aus dem Haus, ihre früheren Geliebten sind ihr abhanden gekommen, vom Alleinleben hat sie genug. Aber wie lernt sie einen Mann kennen? Vielleicht doch über eine Annonce? Ist sie die Frau »zum Lachen und Weinen«, die so oft gesucht wird? Da ist die Frau, zeitungs-lesend am WG-Küchentisch, die aufgestört wird durch Geräusche, die sie lange nicht gehört hat. Wie indiskret. Und die Frau, der irgendwann klar wurde, dass für sie das Kapitel Beischlaf offenbar zu Ende, abgeschlossen, perdu war, die sich aber durch den allgemeinen Trend geradezu genötigt sah, diesen Abschied nicht einfach hinzunehmen, wie es für frühere Frauengenerationen noch üblich war.

In diesen leichten, ironischen Geschichten trifft das gelebte Leben auf die Lebensentwürfe, mit denen alle Protagonisten mal angetreten sind, und das ist so wunderbar komisch, auch so wunderbar melancholisch erzählt, dass man nicht aufhören kann zu lesen und denkt, genauso ist es, das Leben. Weitere Informationen: www.kunstmann.de

Die Weltgesellschaft hält Einzug in »Normal«-Beziehungen und »Normal«-Familien, stiftet Unruhe, Verwirrung, Überraschung, Lust, Freude, Zusammenbrüche und Haß.

Familie und Liebe in Zeiten der Globalisierung: Die Großeltern in Thessaloniki und ihr Enkel in Cambridge sprechen jeden Abend miteinander – via Skype. Eine US-Amerikanerin und ihr schweizeri-scher Ehemann ärgern sich über hohe Telefonrechnungen und Reisekosten. Ein europäisches Ehepaar erfüllt sich den Kinderwunsch mit Hilfe einer indischen Leihmutter.

Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim, die Autoren des Bestsellers Das ganz normale Chaos der Liebe, untersuchen in ihrem neuen Buch alle Arten von Fernbeziehungen, von Kontinente und Kulturen verbin-denden Ehen, Skype-gestützten Liebesbeziehungen, Chatroom-Tragödien, globalisierten Dienst-mädchen, indischen Leihmüttern, äthiopischen Arbeitsmigranten (und von vielen mehr). Ihr Befund: Familien sind nicht mehr länger Territorial-, sondern Weltfamilien. Ob die Liebenden oder Familienmitglieder es wollen oder nicht, sie werden im Binnenraum des eigenen Lebens mit der Welt konfrontiert. So gewin-nen in den Liebesbeziehungen die Gegensätze zwischen Erster und Dritter Welt reale Gestalt, sie nehmen Gesichter und Namen an. Hier treffen die Verschiedenheiten der Sprachen, der Vergangenheiten, der rechtlichen und politischen Ordnungen aufeinander.

Die Weltgesellschaft hält Einzug in »Normal«-Beziehungen und »Normal«-Familien, stiftet Unruhe, Verwirrung, Überraschung, Lust, Freude, Zusammenbrüche und Haß. Denn wir leben in einer Welt, in der der Liebste häufig entfernt und der Entfernte der Nächste ist.

Trotz aller Probleme zählen die Autoren nicht zu den Pessimisten der Fernliebe: »Kann es sein, daß das, woran die große Welt scheitert, in den neuen Familien gelegentlich dennoch gelingt: die Kunst des Zwischenraums, die Kunst, mit und über Grenzen hinweg zusammenzuleben?« Weitere Informationen: www.suhrkamp.de

Salim Alafenisch, Heidelberg: »Die Nacht der Wünsche«

Wer von Allah mit der Nacht der Wünsche gesegnet wird, hat drei Wünsche frei. Doch in dieser besonderen Nacht werden sich die Hoffnungen des mächtigen Sultans nicht erfüllen. Als ihn auf dem Lager seiner jüngsten Haremsdame eine sonderbare Schwäche befällt, nutzt die schöne und kluge Zahra das Missgeschick des Tyrannen:

In betörenden Märchen erzählt sie ihm von Geschichte und Gebräuchen, Menschen und Mythen seines Reiches, um die sich der hab- und machtgierige Sultan nie gekümmert hat.

Salim Alafenisch wurde 1948 als Sohn eines Beduinenscheichs in der Negev-Wüste geboren. Als Kind hütete er die Kamelherde seines Vaters. Erst mit 14 Jahren lernte er lesen und schreiben, und 1971 legte er in Nazareth das Abitur ab. Danach ging er nach London, eigentlich mit dem Ziel, Rechtsanwalt zu werden. Doch nach einem Jahr am Princeton College änderte er sein Berufsziel und nahm an der Universität Heidelberg das Studium der Soziologie, Ethnologie und Psychologie auf, das er 1979 mit dem Magistergrad abschloss. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Erwachsenenbildung entschied sich Salim Alafenisch 1987 für den Beruf des freien Schriftstellers.

Die Lebens- und Vorstellungswelt des Vorderen Orients wurde jetzt zum zentralen Thema seiner Bücher. Seit langem beschäftigt er sich mit der orientalischen Erzählkunst und stellt sie in zahlreichen Autorenlesungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen vor. Er liest seine Geschichten nicht vor, sondern erzählt sie frei. Heute lebt er als freier Schriftsteller mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Heidelberg. Weitere Informationen: www.unionsverlag.ch

Institut50plus: »Shortlist 2011 des Deutschen Buchpreises«

»Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buch-handels Stiftung jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten Roman in deutscher Sprache aus. Ziel des Preises ist es, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch.

Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich mit ihren Titeln direkt um die Auszeichnung bewerben. Die Besonderheit: Auch Titel, die sich zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch in der Produktion befinden, sind zum Auswahl-verfahren zugelassen. Darüber hinaus steht der Deutsche Buchpreis für eine garantiert unabhängige und kompetente Preisträgerermittlung: Die sieben Juroren prüfen alle eingereichten und den Teilnahmekriterien entsprechenden Bücher«, so der Börsenverein in eigener Sache.

Das Flensburger Institut50plus präsentiert die Longlist 2011 des Deutschen Buchpreises – es sind dies folgende Titel: Jan Brandt, Gegen die Welt (DuMont Buchverlag), Michael Buselmeier, Wunsiedel (Verlag das Wunderhorn), Angelika Klüssendorf, Das Mädchen (Kiepenheuer & Witsch), Sibylle Lewitscharoff, Blumenberg (Suhrkamp Verlag), Eugen RugeIn, Zeiten des abnehmenden Lichts (Rowohlt Verlag), Marlene Streeruwitz, Die Schmerzmacherin (S. Fischer Verlag). Weitere Informationen: www.deutscher-buchpreis.de