Institut50plus: »Überall ist Lönneberga«

 
Willkommen im einzigen Land der Erde, wo Golf Breitensport ist und der Satz »Ich will Ihren Chef sprechen« nur Gelächter hervorruft!

Der Schwede tritt zumeist als multifunktionaler Profi auf: Er trägt Dienstuniform, Overalls mit 20 Taschen sowie kiloschwere Ohrenschützer und ist jederzeit über drei Handys erreichbar. Den Rasen mäht er hingebungsvoll. Er singt laut und oft, vor allem, wenn er Manager ist. Das Allemansrätt – das ungeschriebene Gewohnheits-recht, (fast) überall kurzfristig Quartier aufschlagen zu dürfen – hat ihn tief geprägt: Im Traum nicht käme der Schwede auf die Idee, seine Ferien auf nur einem Campingplatz abzusitzen. Er koppelt seinen Wohnwagen auch nicht ab, sondern fährt damit Brötchen holen. Sein Ordnungs- und Freiheitssinn sind gleichermaßen ausgeprägt. Kein Wunder: Das Land, das er bewohnt, definiert sich seit 1928 als großes „Folkshemmet“ – als „Heim, in dem Gleichberechtigung, Zusammenarbeit
und Hilfsbereitschaft herrschen“.



Die Schweden duzen sich, reduzieren die Grußformeln auf drei Buchstaben und reden sich grundsätzlich nur mit Vornamen an. Obwohl sie feiern, lieben oder streiten wie andere Erdenbürger auch, ist ihnen der Begriff „Privatleben“ weitgehend unbekannt, liegen doch die Steuerverzeichnisse sämtlicher Bürger einsehbar in jeder Polizeiwache.

Gewohnt, ihren Schnaps nur beim Staat zu kaufen, sind die Schweden offen für vielerlei Schnapsideen – um die meisten beneiden wir sie mit gutem Grund. Christoph Borchelt, von Jugend an mit dieser Welt vertraut, porträtiert sie uns augenzwinkernd und informativ, kritisch und liebevoll. Weitere Informationen: www.randomhouse.de und www.institut50plus.de

Jan Faktors erotischer Entwicklungsroman über Widerstände, Schmutz und Schönheit

 
Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des Reformversuchs von ‘68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn.

Das sozialistische Prag hat in den Jahren von Georgs Jugend seinen Glanz verloren. In einer Stadt voller gewalttätiger Müllmänner, 50-ccm-Motorradcowboys, sexbe-sessener Fremdgänger und vieler anderer unsozialistischer Elemente nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hoch-explosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte.

In einer Gesellschaft, die von den Rändern her vergammelt und sich von innen auflöst, bekommt das Körper-liche eine befreiend-subversive Bedeutung. Georg mobilisiert alle Kräfte, um neben der Mutter auch dem stickig-klebrigen Vater-haushalt zu entkommen, in dem er seine verhassten Wochenenden verbringen muss. Als er nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller, der sich trotz seiner Blindheit wie ein Sehender in der Stadt bewegt, zu seinem Wunschvater.

Georg macht sich seit seiner frühen Kindheit Sorgen um seine Vergangenheit, seiner hellen glücklichen Zukunft ist er sich aber völlig sicher. Die Frage, ob er wirklich glücklich werden wird, beantwortet sich bei einer zufälligen, aber nicht wirklich vermeidbaren Begegnung auf der Straße.

Indem Jan Faktor Georg selbst erzählen lässt, macht er das Erzählen zu einem zweiten subversiven Akt – und führt damit den Entwicklungs- und den Gesellschafts-roman zusammen. So entstehen ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie und ein hellsichtiges Porträt einer Stadt.

Denk-mal50plus: »Widerstand oder Unterwerfung«

 
„Die Auflehnung“: zwei Männer stehen vor dieser Alternative. Sie sind Brüder. Der eine, Frank Wittmann, ein erfahrener Teichwirt, sieht seinen Besitz durch Rivalen bedroht, die unter dem Schutz des Gesetzes stehen. Es wird von ihm erwartet, dass er das geltende Recht respektiert; doch das würde seinen Ruin bedeuten. Nicht bereit zur Selbstaufgabe, entschließt er sich, den Schutz seiner Existenz in die eigene Hand zu nehmen; überzeugt davon, dass das Gesetz ihm keine andere Wahl läßt, entscheidet er sich, es zu mißachten.

Sein Bruder Willy, ein international bekannter Teekoster, dessen sensibler Geschmackssinn seiner Firma zu Erfolg und Ansehen verhalf, repräsentiert eine andere Spielart der Auflehnung. Als er eines Tages entdeckt, dass er seiner besonderen Fähigkeit nicht mehr sicher und daß auf sein Urteil kein Verlaß mehr ist, kündigt er und verläßt die Firma. Gleichwohl kann er sich mit dem schwerwiegenden Verlust nicht abfinden: immer wieder stellt er Versuche an, forscht, prüft, sucht sich zu versichern, von dem Wunsch erfüllt, zurück-zugewinnen, was er einmal besessen hat. Allerdings bleibt ihm dabei die Erfahrung nicht erspart, dass es Auflehnungen gibt, die sinnlos sind.´Weitere Informationen: www.randomhouse/dva.de und www.institut50plus.de

Hoffmann und Campe: »Von Meer und Küste, Wracks und Tauchern und dem Glück, einen Fisch zu fangen«

 
Die schönsten Meerestexte von Siegfried Lenz in einem Band versammelt,
von Hanjo Kesting zusammengestellt. Dieser Autor, der mit seinem Roman Deutschstunde Weltruhm erlangte, ist nicht nur einer der letzten großen Geschichtenerzähler, er ist auch ein Schriftsteller des Meeres. Strände, Häfen, Inseln, Küsten, Fjorde, große und kleine Schiffe und Wracks sind die Schauplätze seines Werks.

Dieses Buch ist eine bewegende Therapie-Geschichte, die Mut macht, das Leben wieder zu bejahen – es berichtet über verborgene Kräfte, die wir uns tragen. Weitere Informationen: www.koesel.de und www.institut50plus.de

»Der Mann fühlte, wie eine eigentümliche Unruhe ihn ergriff, der Wunsch, an das Wrack zu gelangen, das kaum zwanzig Meter unter ihm lag und groß war, schwarz und unbekannt. Er war allein auf dem Strom, und er ließ sich mehrmals über die Stelle treiben, wo das Wrack lag, aber er konnte nichts erkennen. Er wußte nur, daß es da war, ein Wrack, das nur er allein kannte. Die anderen Wracks, die im Strom gelegen hatten, waren längst gehoben oder unter Wasser gesprengt worden: was er wußte, wußte er allein.« Weitere Informationen: www.hoffmann-und-campe.de und www.institut50plus.de