Sir Colin Davis musiziert mit der Staatskapelle Dresden Elgars Oratorium «The Dream of Gerontius»

 
Schon immer hat sich Sir Colin Davis in seinen Konzertprogrammen mit der Staatskapelle Dresden um Repertoire aus seiner britischen Heimat bemüht, das hierzulande nur selten zu hören ist. Ein Werk lag ihm dabei seit jeher besonders am Herzen: das Oratorium «The Dream of Gerontius» von Edward Elgar. In England rangiert es auf der Beliebtheitsskala gleich hinter Händels «Messias» und Mendelssohns’ «Elias», bei uns ist es hingegen nahezu unbekannt. Im diesjährigen Palmsonntagskonzert stellt Davis das Werk nun zum ersten Mal in den Sinfoniekonzerten der Staatskapelle vor.

Sir Colin Davis
Sir Colin Davis, Foto Matthias Creutziger

Als vor fünf jahren die erste CD im Rahmen der Edition Staatskapelle Dresden bei Hänssler Profil erschien, horchte die Musikwelt, vor allem die englischsprachige, auf: Wie konnte es sein, dass ein deutscher Klangkörper mit einem britischen Dirigenten einen solchen Elgar musizierte, frisch, flexibel und mit einer klanglichen Noblesse, die man sonst nur den landeseigenen Klangkörpern zutraute? Schnell galt der Live-Mitschnitt von Edward Elgars erster Sinfonie, aufgenommen 1998 in der Semperoper, als neue Referenzaufnahme des Werkes, hinter der andere, auch britische Aufnahmen zurückstehen mussten.

Ähnliches ereignete sich vor wenigen Wochen, als die Einspielung des Elgar-Violinkonzerts mit dem Geiger Nikolaj Znaider bei RCA erschien: «Die Staatskapelle klingt, als ob sie Elgars Musik aus dem Herzen kennt und liebt», schwärmte die Financial Times. Dirigent auch dieser Aufnahme war Sir Colin Davis.

Im traditionellen Palmsonntagskonzert (28. und 29. März 2010) leitet Sir Colin Davis nun Elgars monumentales Oratorium «The Dream of Gerontius», das damit zum ersten Mal in den Konzerten des Orchesters zu hören ist. Elgar komponierte das Werk im Jahr 1900 im Auftrag des Musikfestivals in Birmingham. Als Textvorlage hatte man ihm das gleichnamige Gedicht des britischen Kardinals John Henry Newman nahe gelegt, das am Beispiel des altersweisen Gerontius den Weg der Seele in die Ewigkeit thematisiert. Elgar schrieb dazu eine mystisch-transzendentale Musik, deren Leitmotivik nicht zuletzt an Richard Wagners «Parsifal» orientiert ist. Ein Wagner-Dirigent, Hans Richter, leitete dann auch die Uraufführung am 3. Oktober 1900 in Birmingham, die allerdings aufgrund mangelnder Probenzeit zum Misserfolg geriet. Erst im Dezember 1901 errang das Werk beim Rheinischen Musikfest in Düsseldorf einen ersten großen Erfolg und begeisterte damals auch Richard Strauss, der sich öffentlich als Elgar-Bewunderer outete. Umso erstaunlicher ist es, dass «Gerontius» danach in Deutschland so gut wie unbekannt blieb – ganz anders als in England, wo das Werk schnell zu einem der meistgespielten Oratorien überhaupt aufstieg.

Die zentrale Tenorpartie, die Gerontius und seine Seele verkörpert, übernimmt in Dresden der Amerikaner Paul Groves. Außerdem wirken Sarah Conolly als Engel und John Relyea als Priester bzw. stimmmächtiger Todesengel mit. Der Staatsopernchor, dem in diesem Werk dämonische bis himmlische Klänge abverlangt werden, singt in der Einstudierung von Chordirektor Pablo Assante. Zu den Elgar-Quatlitäten der Staatskapelle äußerte sich Davis in einem Interview wie folgt: «Ich bin immer wieder verblüfft, wie ‹britisch› dieses Orchester bei Elgar klingt. Das hätte ich kaum für möglich gehalten. Und es macht mit auch ein bisschen stolz.» Text: Tobias Niederschlag. Weitere Informationen: www.staatkapelle-dresden.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.