Antje Vollmer: »Gott im Kommen?«

 
Antje Vollmer: »Gott im Kommen?«Antje Vollmer hat eine provozierende Studie darüber geschrieben, wie unser persönliches und gesellschaftliches Leben zu mehr Frieden und Gelassenheit kommen könnte, wenn wir auf die Versuchung Gott für unsere Zwecke zu instrumentalisieren, verzichten würden.

»Monotheistische Weltsicht und die Sehnsucht nach dem baldigen Ende der Welt ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Man kann Zukunft nicht denken, wenn man die Herkunft vergisst, wenn man die Anfänge nicht mitdenkt. Diese Erinnerung aber muss die Todessehnsucht, die eine wirkliche Sucht ist, nachhaltig dämpfen. Wir sind nicht nur ewig Morgige, zur Angst verdammt, sondern auch Gestrige mit der Erinnerung der guten Anfänge – das sollte die Haltung sein, die dem Glauben an die schon geschenkten Offenbarungen am meisten entspricht. Das heißt, wir sind befreit von dem Zwang, Originale und Erste zu sein. Wir sind von einem panischen, aber auch von einem todessüchtigen Verhältnis zur Zukunft befreit. Was könnten die Folgen sein von einer solchen historischen Erfahrung des Gefundenseins? Heiterkeit, Gelassenheit, Gewaltlosigkeit, Gegenwartszuversicht und Zukunftsvertrauen. Ich muss die Welt nicht ins Heil prügeln…«

Mit ihrer Warnrede vor den alten und neuen Unruhestiftern im Namen Gottes führt sie uns durch archaische religiöse Landschaften und aktuelle Brandherde.

»Es ist ein Buch, das versucht, der Rolle dieses Fragens nach Gott im Alltagsleben und in der Sprache der Menschen den Platz einzuräumen, den es Jahrtausende lang gehabt hat. Ob »Gott im Kommen« ist und wer das ist: »Gott« wird diese kleine Schrift nicht beantworten können. Aber sie wird versuchen, dem nachzugehen, warum die Menschen immer weiter danach fragen und warum eine Leerstelle, ein existentielles Nichts, an der Stelle, wo für frühere Jahrtausende einmal der Begriff »Gott« stand, auch keine Lösung ist für eine unsicher gewordene Menschheit.«

Es ist ihr wichtig, ein entdogmatisierendes, interreligiöses »Grenzgängertum« zu befördern, eine respektvolle Neugier auf andere Lebensstile und Kulturen, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

»So wie Gott selbst, so wird auch das Verständnis von Gott nicht mit dem Feuer kommen, nicht mit dem großen Sturm, nicht mit dem gewaltigen Erdbeben, nicht mir der Sintflut, nicht mit der letzten Schlacht und nicht mit den todesmutigen Gotteskämpfern, sondern mit dem sanften Wehen einer neuen Geisteshaltung, die man auch Spiritualität nennen könnte.«

Antje Vollmer, geboren 1943, ist Theologin, Publizistin und weit bekannte Politikerin. Fast 20 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestags. Von 1994 bis 2005 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. Trägerin vielfältiger Auszeichnungen. Sie ist Gründungsmitglied der Grünen und engagiert in der Evangelischen Kirche (Präsidium des Evang. Kirchentages). Eine couragierte Politikerin, die mit unverwechselbarem geistig-provokanten Profil über Alltagsfragen hinaus Perspektiven politischen Handelns aufzeigt . Sie lebt in Berlin. Weitere Informationen: www.institut50plus, www.koesel.de und www.antje-vollmer.de

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