Gustav Meyrink: »Der Golem – Der Klassiker der phantastischen Literatur«

»Ungefähr alle dreiunddreißig Jahre begibt es sich nämlich, daß ein voll-kommen fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongo-lischem Typus aus der Richtung der Altschulgasse her durch die Judenstadt schreitet und plötzlich – unsichtbar wird.« So erzählt man sich in der Prager Judenstadt.

Die Legende vom Golem ist lebendig, noch dreihundert Jahre nachdem sich der hohe Rabbi Loew im späten 16. Jahrhundert den künstlichen Gehilfen schuf. Und nicht nur die Legende lebt: Eines Tages bringt ein fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongolischem Typus dem Gemmen-schneider Athanasius Pernath ein Buch mit einer kostbaren goldenen Initiale zur Reparatur.

Pernaths Erinnerungsvermögen beginnt ihm seltsame Streiche zu spielen. Das Aussehen des Besuchers ist in seinem Gedächtnis wie ausgelöscht. Um es sich zu vergegenwärtigen, spielt er dessen Ankunft nach. Da kehrt die Erinnerung zurück – und mehr noch: Der Fremde ergreift von ihm Besitz.

Gustav Meyrink (eigtl. Meyer) wurde am 19. Januar 1868 in Wien geboren. Nach der Tätigkeit als Bankier in Prag 1889-1902 lebte er ab 1905 als freier Schriftsteller in München. Meyrink gilt mit seinen bekannten Romanen ›Der Golem‹, ›Das grüne Gesicht‹ und ›Der weiße Dominikaner‹ als Klassiker der phantastischen Literatur.

In sein Werk gingen mystische und kabbalistische Elemente ein, er selbst konvertierte 1927 zum Mahanja-Buddhismus. Er starb 1932 in Starnberg. Weitere Informationen:

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