Tahar Ben Jelloun: »Arabischer Frühling«

Aktueller Essay zu den Revolten in den arabischen Ländern Tahar Ben Jelloun, einer der bedeutendsten Schriftsteller des Maghreb, bezieht mit einem aktuellen Essayband Stellung zu den Unruhen in den arabischen Staaten. Arabischer Frühling. Vom Wiedererlangen der arabischen Würde erscheint am 16. April als Originalausgabe im Berlin Verlag.

Der Aufstand in den arabischen Staaten ist eine Revolte neuen Typs, beobachtet Ben Jelloun: Spontan und improvisiert, wird er von einer jungen Generation getragen, die – dank Internet – die Fenster zur Außenwelt aufgerissen hat und der Macht der Despoten frei von Angstentgegentritt. Diese Generation entdeckt die Würde des Einzelnen und bringt dadurch die despotischen Systeme zum Einsturz. Ein Epochenbruch, der dem Fall der Berliner Mauer gleichkommt, konstatiert BenJelloun: unaufhaltsam und nicht rückgängig zu machen.

Ben Jelloun ist überzeugt, dass die Unruhen nicht im Islamismus münden werden. Im Gegenteil bedeuten sie die Niederlage des Islamismus: „Facebook, Twitter, Internet und neue Vorstellungswelten haben den […] Islamismus hinweggefegt“, stellt Ben Jelloun fest. Ben Jelloun analysiert in Arabischer Frühling scharfsichtig und ohne Furcht vor klarer Stellungnahme die Situation in den einzelnen betroffenen Staaten. Er sieht den Westen durch seine langjährige Unterstützung der Diktatoren in der Verantwortung. Und er warnt davor, dass das Erwachen der arabischen Würde auch vor den prekären multikulturellen Vororten europäischer Großstädte nicht Halt machen wird.

Neben essayistischen benutzt Ben Jelloun genuin dichterische Mittel. Er blickt den entmachteten Despoten Mubarak und Ben Ali in den Kopf und schildert das Geschehen aus ihrer Perspektive des verbohrten Unverständnisses. In einer eindrucksvollen literarischen Novelle setzt er sich mit der Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi auseinander, die zum Fanal für die Wiedererlangung der arabischen Würde wurde.

Tahar Ben Jelloun wurde 1944 in Fès (Marokko) geboren, er lebt heute in Paris und Tanger. 1987 wurde er für seinen Roman Die Nacht der Unschuld mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Im Berlin Verlag sind u.a. erschienen: Das Schweigen des Lichts; Papa, was ist der Islam?; Verlassen; Die Früchte der Wut; Yemma – Meine Mutter, mein Kind und Zurückkehren. Tahar Ben Jelloun gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb. Weitere Informationen: www. bloomsbury-verlag.de

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